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Politik-Diskussions Thread

Begonnen von vitaminbonbon, Sonntag, 18 November 2007, 23:12:07

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Iak

Die FAZ ist zwar eine konservative Zeitung, trotzdem ist der Artikel relativ wertneutral geschrieben. Wer Zeit hat sollte ihn sich mal durchlesen und dann verstehen welcher Druck auf den 3 hessischen "Abweichlern" lastete und lastet. Danach kann man natürlich immer noch sagen, dass das Verhalten der 3 Abgeordneten verwerflich ist. Dies bleibt jedem selbst überlassen.

Quelle

Zitat
Die hessischen ,,Abtrünnigen"
Im Schraubstock der Parteiräson

Von Thomas Holl

08. November 2008

In diesem Augenblick wäre Jürgen Walter gerne für eine Minute im Dienste Ihrer Majestät. ,,James Bond würde jetzt mal eben auf das Schiffsdeck hechten." Das weiße Hemd lässig offen und in Jeans sinniert der bis vor zwei Jahren mächtigste Mann der hessischen SPD mit einem Grinsen über solche kleine Fluchten aus der Wirklichkeit. Träge schiebt sich der Lastkahn an der Aussichtsterrasse vorbei, auf der Walter und drei Frauen sitzen, im Hintergrund wie gemalt eine Flusslandschaft mit Trauerweiden. Eine wärmende Spätherbstsonne und sanft plätschernde Lounge-Musik machen die Urlaubsidylle perfekt. Doch Gesichter und Körperhaltung der vier sagen etwas ganz anderes. Es liegt eine Anspannung über dieser Gruppe, die sich in solch kleinen Scherzen und aufmunternden Blicken untereinander immer wieder für Momente löst.

Bis eben haben Carmen Everts, Silke Tesch, Dagmar Metzger und Jürgen Walter über ihre emotionale Achterbahnfahrt zwei Tage nach ihrer historischen Pressekonferenz im fernen Wiesbaden gesprochen. Es war ein Auftritt, wie es ihn in der deutschen Politik zuvor noch nicht gegeben hat. Vier frei gewählte Abgeordnete eines deutschen Parlaments verweigern ihrer Fraktions- und Parteivorsitzenden 24 Stunden vor der geplanten Wahl zur Ministerpräsidentin die Gefolgschaft. Mit offenem Visier und nicht als feige Heckenschützen aus den eigenen Reihen, wie es sie bei Ministerpräsidentenwahlen oder Vertrauensabstimmungen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben hat.

Zum Nachdenken, Ausruhen, aber auch um dem Medienrummel und dem Druck aus ihrer Partei zu entgehen, haben sich die vier für ein paar Tage in ein abgelegenes Hotel weit jenseits der hessischen Landesgrenzen zurückgezogen. Durch ein schlichtes Nein in einer politischen Grundsatzfrage sind die vier zu Aussätzigen in ihrer bisherigen Gemeinschaft geworden. Freunde und Weggefährten sind auf Distanz gegangen, in ihrer politischen Heimat SPD wird ihnen Verrat, Niedertracht, Bestechlichkeit und Charakterlosigkeit vorgeworfen.

,,Mein Leben ist aus den Fugen geraten. Nichts ist mehr so, wie es einmal war." Die Frau mit den kurzen roten Haaren erzählt stockend, ihr Gesicht ist blass und übernächtigt. In der letzten Nacht hat Carmen Everts Albträume gehabt. Beim Aufwachen ist ihr wieder klargeworden, dass es das Leben, das sie kannte, seit Montagmorgen um 10 Uhr nicht mehr gibt. Es ist der Zeitpunkt, an dem Andrea Ypsilanti sie auf dem Handy zurückgerufen hat und wissen will, was es so Dringendes gibt. Carmen Everts atmet tief durch. Dann teilt sie ihrer Parteifreundin und Vorsitzenden Andrea in knappen Worten und mit fester Stimme mit, dass es mit der für den 4. November gegen 13 Uhr geplanten Wahl im Landtag zur ersten Ministerpräsidentin Hessens nichts wird.

Sie und ihre Fraktionskollegen Silke Tesch und Jürgen Walter könnten - wie die Darmstädter Abgeordnete Dagmar Metzger - aus Gewissensgründen und aus Sorge um die Zukunft Hessens und auch der SPD nicht mit Ja stimmen. Ihre Entscheidung hätten sie am Sonntag getroffen, an ihr sei nicht mehr zu rütteln. Um 13 Uhr würden sie und die anderen drei Abgeordneten ihre Entscheidung in einer Pressekonferenz im Wiesbadener Dorint-Hotel begründen. Auch bei der flehenden Bitte ihrer Vorsitzenden: ,,Wir müssen miteinander darüber reden", bleibt sie hart. ,,Nein, Andrea, die Entscheidung ist gefallen."

Am 27. Januar wird Carmen Everts überraschend im Wahlkreis Groß-Gerau für die SPD direkt in den Hessischen Landtag gewählt. Hineingespült durch eine Sympathiewelle für ihre von vielen Bürgern als ehrlich und geradeheraus wahrgenommene Vorsitzende Ypsilanti, die sich auch aus der Antipathie vieler Wähler gegen den als kalt und berechnend empfundenen CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch speist. Voller Elan und mit der Hoffnung, ihr politisches Ziel nach mehr sozialer Gerechtigkeit und als Teil einer Regierungspartei verwirklichen zu können, bezieht die bisherige Referentin der SPD-Fraktion ihr Abgeordnetenbüro. Zehn Monate später steht die vierzig Jahre alte Politikwissenschaftlerin vor den Trümmern ihrer gerade erst begonnenen politischen Karriere.

Seit Wochen schon schläft Carmen Everts schlecht. In den vergangenen Tagen hat sie sich immer wieder übergeben müssen. Fünf Kilo an Gewicht hat die Abgeordnete allein in den vergangenen Tagen verloren. Im Landtag fällt auf, dass die Frau mit dem fröhlichen Naturell seit einiger Zeit bedrückt wirkt. Sie quält sich, fühlt sich innerlich immer zerrissener, je näher der 4. November rückt. Immer wieder, so versichert sie nun, habe sie in der Fraktion, aber auch im direkten Gespräch mit Andrea Ypsilanti von ihren Bedenken an dem rot-rot-grünen Experiment und den grundsätzlichen Zweifeln an der Verfassungstreue und demokratischen Verlässlichkeit der Linkspartei berichtet. Und die Abgeordnete weiß, wovon sie spricht. In ihrer Dissertation hat die Politologin, die bei dem Extremismusforscher Eckhard Jesse an der TU Chemnitz promoviert hat, schon 1999 den extremistischen und doppelköpfigen Charakter der Vorläuferpartei PDS herausgearbeitet.

Als sie wie viele andere ahnungslose Genossen wenige Tage vor der Hamburger Bürgerschaftswahl am 24. Februar durch die Dampfplauderei des damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck von den Plänen Andrea Ypsilantis erfährt, ihr den Wählern gegebenes Wort zu brechen und sich doch mit Hilfe der Linkspartei zur Nachfolgerin Kochs wählen zu lassen, kritisiert sie zwei Tage später in der Fraktion diese Strategie und verlangt eine Diskussion darüber. Doch die gefühlte Wahlsiegerin Ypsilanti wischt die Bedenken beiseite und lässt erst gar keine Debatte über ihr riskantes Wendemanöver nach links zu. Auch ihre Kollegin Silke Tesch aus Marburg hat schon zu diesem Zeitpunkt ,,Probleme", wie sie sagt, mit dem von Andrea Ypsilanti geplanten Linksschwenk und meldet sich ebenfalls wie auch Jürgen Walter erfolglos in der Fraktion zu Wort.

Dass Carmen Everts, Silke Tesch und Jürgen Walter in den Wochen danach nicht weiter insistieren müssen, verdanken sie dem mutigen Alleingang ihrer Kollegin Dagmar Metzger. Die ebenfalls neu ins Parlament gewählte Abgeordnete, deren Mann aus altem sozialdemokratischen Adel in Darmstadt stammt, stoppt Andrea Ypsilantis ersten Anlauf zur Macht am 7. März mit ihrem entschlossenen Nein zu einer Wahlhilfe der Postkommunisten. Und wie ihre Fraktionskollegen Silke Tesch und Jürgen Walter erlebt Frau Everts in den Tagen danach in ihrer Partei den Umgang mit einer abweichenden Meinung, der sie zutiefst verstört, aber auch beschämt. Vor einer ,,Mauer aus Hass und Unverständnis" habe Dagmar Metzger bei der Sitzung des Landesparteirats einen Tag später in Frankfurt gestanden, erinnern sich Silke Tesch und Jürgen Walter; die Sitzung habe etwas von einem Schauprozess gegen eine Dissidentin gehabt. In dieser aufgeheizten Stimmung haben Walter und Silke Tesch nicht den Mut, ihrer bedrängten Kollegin beizustehen. ,,Ich schäme mich heute noch, dass ich da nicht aufgestanden bin und Dagmar Metzger geholfen habe", sagt die 50 Jahre alte Erzieherin aus Marburg.

Drei Wochen später, am 29. März in Hanau, erlebt Walter am eigenen Leib, wie sich die Stimmung in der Partei zugespitzt hat. Kritiker der Vorsitzenden und ihres Linkskurses werden zunehmend als lästige, unsolidarische Störenfriede behandelt. Während in der Öffentlichkeit und in Umfragen die Zustimmung für die SPD und ihren auf Wortbruch basierenden Kurswechsel rapide sinkt, befindet sich die übergroße Mehrheit der Delegierten und Funktionäre auf dem Landesparteitag in einer sozialdemokratischen Parallelwelt. Mit ,,Andrea, Andrea!"-Sprechchören feiern sie ihre Vorsitzende als ihre politische Erlöserin auf dem Weg in das hessische Paradies der ,,Sozialen Moderne".

Walter, der bei seinen Genossen eindringlich um das Offenhalten der Option einer großen Koalition mit der CDU wirbt, um den Selbstmord der einst so stolzen hessischen SPD bei einer Neuwahl zu verhindern, wird gnadenlos ausgebuht. Eine der wenigen, die Walter an diesem Vormittag in der polemisch geführten Diskussion unterstützen, ist Carmen Everts. Sie erinnert an das Versprechen der SPD vor der Wahl, nicht mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten. Doch auch ihr Redebeitrag geht in Buhrufen unter. Draußen im Foyer der Hanauer Stadthalle wirkt die Abgeordnete in einer Kaffeepause immer noch fassungslos über die Stimmung drinnen im Saal. Außenstehenden müsse der Parteitag wie das Treffen einer Sekte vorkommen, sagt sie sarkastisch.

Und dennoch sind es Anfang August Carmen Everts und Jürgen Walter, die Andrea Ypsilanti bei einem Geheimtreffen in einer Gaststätte ausgerechnet in Roland Kochs Heimatstadt Eschborn ein Angebot machen, wie es mit einem zweiten Anlauf doch noch mit dem Einzug in die Staatskanzlei mit den Stimmen der Linkspartei klappen könnte. Als führende Vertreter des sich selbst pragmatisch nennenden rechten Parteiflügels ,,Netzwerk" und der ,,Aufwärts"-Gruppe skizzieren die beiden ihrer Vorsitzenden einen Fahrplan bis Anfang November. Im Namen ihrer Gruppe sichern sie Andrea Ypsilanti die Unterstützung ihrer Gruppe zu, falls alle Voraussetzungen stimmen und der Prozess ,,ergebnisoffen" sei. Anders als beim überhasteten und dilettantisch organisierten Versuch im März soll die gesamte Partei durch vier Regionalkonferenzen und zwei Parteitage diesmal bei der Entscheidung über den riskanten Weg einer von links geduldeten Minderheitsregierung breit eingebunden werden. Als Prüfstein, aber auch als Sicherheitsplanke gegenüber der immer noch als unzuverlässig und demokratisch fragwürdig eingeschätzten Linkspartei bestehen Walter und Carmen Everts im Namen ihrer Gruppe, in der etwa 20 der 42 SPD-Landtagsabgeordneten organisiert sind, auf einem strengen Kriterienkatalog. Als Fachfrau für politischen Extremismus ist Carmen Everts für das Formulieren jener Sätze zuständig, mit der die Verfassungstreue und die glaubwürdige Distanzierung der Linkspartei vom SED-Unrechtsregime in der DDR geprüft werden sollen.

In der Pressekonferenz bewertet sie dieses Angebot, das ihr nun im Ypsilanti-Lager nach ihrem angeblichen ,,Verrat" vorgehalten wird, als ,,Versuch, mein Gewissen in der Mehrheitsfindung der Partei aufgehen zu lassen". In den Vier-Augen-Gesprächen, die Andrea Ypsilanti mit jedem SPD-Abgeordneten führt, fühlen sich Carmen Everts und Silke Tesch unter Druck gesetzt, ihre Partei und ihre Vorsitzende in der Stunde der Not auf keinen Fall im Stich zu lassen. Beide empfinden die Art der Gesprächsführung als ultimativ. Ausgerechnet wie ihr parteiinterner Lieblingsgegner Gerhard Schröder habe sich Andrea Ypsilanti mit einer ,,Basta"-Haltung ein Nein verbeten, sagt Silke Tesch.

In der Woche nach dem Ende der Koalitionsverhandlungen mit den Grünen am 24. Oktober und dem entscheidenden Landesparteitag in Fulda am 1. November beschließt Carmen Everts zu handeln. Ihre insgeheim gehegte Hoffnung, dass das rot-rot-grüne Experiment doch noch ohne ihr Zutun scheitern könnte, hat sich zerschlagen. Als bekannt wird, dass Andrea Ypsilanti eine Sondersitzung des Landtags zu ihrer Wahl schon für den 4. November einberufen lässt, gerät Carmen Everts in Panik. ,,Ich hatte jede Nacht das Bild vor Augen, dass ich in der Wahlkabine bin und mit Ja stimmen muss", schildert sie in der Pressekonferenz ihre Gewissensnot. Auch Silke Tesch, die seit 2003 im Landtag sitzt, geht es so. Beide Frauen beschließen, den früheren SPD-Landesvorsitzenden und ehemaligen Innenminister Gerhard Bökel um Rat und eine Einschätzung zu fragen, bevor sie eine endgültige Entscheidung treffen.

Der Vorgänger Andrea Ypsilantis, der als SPD-Spitzenkandidat 2003 mit 29,1 Prozent das bisher schlechteste Ergebnis der Partei in Hessen eingefahren hat, ist ein scharfer Kritiker einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei. Mehrfach hat Bökel in Interviews und Fernsehauftritten seine Bedenken und Argumente gegen den aus seiner Sicht verhängnisvollen Kurs seiner Nachfolgerin zu Protokoll gegeben. Als Carmen Everts und Silke Tesch ihn am Freitagabend anrufen, macht er beiden die dramatischen Konsequenzen deutlich, die es bei einer Wahlverweigerung abzuwägen gelte: Ein Sturm der Empörung werde in der hessischen SPD, die Bökel zu gut kennt, über die Abweichler hereinbrechen. Es werde massiven Druck geben, die Abgeordnetenmandate niederzulegen und die Partei zu verlassen. Geschehe dies nicht freiwillig, werde es Anträge für ein Ausschlussverfahren hageln. Doch die beiden Abgeordneten wollen nicht mehr zurück. ,,Ich kann das nicht", bekennt Carmen Everts am nächsten Tag vor der Presse. Als auch Jürgen Walter auf dem Parteitag in Fulda den Koalitionsvertrag ablehnt und offenlässt, ob er am 4. November mit Ja stimmt, nehmen sie Kontakt zu ihm auf.

Und Walter sagt nach eigenem Bekunden nach einer kurzen Bedenkzeit zu, zusammen mit den beiden und Dagmar Metzger die rot-grüne Regierungsbildung zu stoppen. Er ist froh, dass er nun nicht alleine die Entscheidung treffen und verantworten muss. Seit Monaten schwankt Walter, ob er den Kurs seiner Vorsitzenden loyal mittragen kann, den er eigentlich für grundfalsch hält. Mit anderen Abgeordneten hat er über seine Bauchschmerzen gesprochen. Und auch in der CDU-Spitze weiß man, dass das Unbehagen mancher SPD-Abgeordneter am Linkskurs mit Händen zu greifen ist.

Das Verhältnis der beiden Dauerrivalen Walter und Ypsilanti ist seit dem 2. Dezember 2006 gespannt. An diesem Tag entreißt Andrea Ypsilanti dem damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Walter beim Nominierungsparteitag in Rotenburg an der Fulda mit hauchdünner Mehrheit die sicher geglaubte Spitzenkandidatur. Im Wahlkampf gegen Kochs CDU ist der Riss zwischen Walter und Ypsilanti, der auch ein Riss zwischen dem linken und rechten Parteiflügel ist, kaum zu sehen. Walter verhält sich loyal, seine Berufung als Schatten-Innenminister in das ,,Zukunftsteam" Ypsilantis akzeptiert er. Erst nach der Wahl und dem sich immer deutlicher abzeichnenden Kurswechsel der Vorsitzenden geht der vierzig Jahre alte Politiker intern und öffentlich auf Distanz. Allerdings wirkt sein Verhalten zunehmend widersprüchlich. Scharfer Kritik am Kurs der SPD-Frontfrau folgen wenig später immer wieder Treueschwüre und Loyalitätsbekundungen. Selbstverständlich werde er sich dem Votum eines Parteitags beugen, auch wenn er anderer Meinung sei, reagiert Walter geradezu empört auf Fragen nach seiner Verlässlichkeit in einer geheimen Ministerpräsidentenwahl. Doch insgeheim bewegt ihn schon seit längerem die Frage, ob er diese Position vor sich selber durchhalten kann. Ja, ,,zu Recht" sei er als wankelmütig kritisiert worden, gesteht Walter auf der Pressekonferenz ein.

Nachdem auch Dagmar Metzger am Sonntag mit im Boot ist, wird der Tagungssaal im Dorint-Hotel für die Pressekonferenz gebucht, bezahlt wird die Rechnung aus eigener Tasche. Gerhard Bökel sorgt mit einem Anruf bei seinem Nachfolger im Innenministerium, dem CDU-Politiker Volker Bouffier, für Personenschutz angesichts des riesigen Aufgebots an Medien und möglicher Proteste gegen die von der Linkspartei dann auch als ,,Vierer-Bande" und ,,hinterlistige Schweine" geschmähten Abgeordneten. In der SPD kursieren Verschwörungstheorien, die vier seien von Koch zum Verrat angestiftet worden und würden bald mit Posten belohnt. Verbreitet wird auch die Version, dass das Nein der drei von langer Hand vorbereitet worden sei und mitnichten eine Gewissensentscheidung in letzter Minute. Silke Tesch und Carmen Everts belasten diese Vorwürfe. Beide stehen nun vor einer ungewissen beruflichen Zukunft.

Nach dem Scheitern der Machtübernahme der SPD-Vorsitzenden wird es nun zu einer Neuwahl des Landtags am 18. Januar kommen - womöglich ohne Andrea Ypsilanti als Spitzenkandidatin. Aber wohl auch ohne jene vier Abgeordneten, die nicht darauf hoffen dürfen, noch einmal als Kandidaten aufgestellt zu werden. Am Abend an der Hotelbar schaut Jürgen Walter melancholisch in die kleine Runde: ,,Das sind nicht die Schlechtesten in der Fraktion, die hier beisammen sind."

"Wahrheit spricht für sich allein - aber Lüge spricht durch Presse und Rundfunk."  Victor Klemperer (1881-1960)

HobbesTheOne 99

Frau Y. kandidiert bei Neuwahlen nicht als Spitzenkandidatin der hessischen SPD. Besser ist das wohl auch...
"Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen."
Walter Scheel

Freakster

Wenn dieser Artikel die Wahrheit schreibt, muss man zumindest dem Walter den Vorwurf machen, sich von einer Sache, die er für "grundfalsch" hält, nicht schärfer und deutlicher (früher!!!) distanziert zu haben.
Bei der Everts trifft das zu, was hier ja auch schom gemutmaßt wurde - die Hoffnung, dass die Koalitionsgespräche scheitern...dennoch - wenn sie so ein Bauchgrummeln wegen einer Zusammenarbeit mir derLinken hatte, hätte sie ja auch schon früher sich entscheiden können  ::)

Generell aber gilt - die Entscheidung der vier, mit Nein zu stimmen, ist ja absolut legitim. Der Zeitpunkt allerdings ist mehr als ungünstig gewesen.

Der Hass, der jetzt aber über die vier hereinbricht, ist aber nicht gerechtfertigt. Aber menschliches Verhalten ist von Menschen anscheinend nicht immer zu erwarten  ::)

Der Artikel zeigt aber auch, dass sich die gesamte hessische SPD nicht mit Ruhm bekleckert hat. Und zwar in diesem ganzen Prozess der...öhm...beinahe Regierungsbildung...

Freakster

Ich weiß nicht, ob es vielleicht im BuLi-Thread besser aufgehoben wäre, aber da es eher politische Dimension hat, gehört es wohl eher hier hinein:
Zuerst einmal das hier (Dort dann auf die 20er Diffamierung klicken - bekomme es leider nicht direkt verlinkt).
Als Kontrastprogramm dazu:
Stefan Niggemeier 1 2 3 4

Oder aber bei der betreffenden Person selbst:
Jens Weinreich - hier ist vor allem der letzte Artikel zu erwähnen, allerdings gibt es noch mehrere Artikel zu diesem Thema. Bin jetzt aber zu faul, die alle zu verlinken  ;D


Wie ich finde, ist die Kampagne vom DFB unfassbar undemokratisch und diffamierend. Und das alles wird initiiert von einem Mann, der in wenigen Tagen den Preis Gegen Vergessen - Für Demokratie verliehen bekommt  ::) ::)
Aber die DFB-Seilschaften scheinen zu funktionieren - bisher scheint weder in der BILD, noch im Kicker oder der SportBild zu dem Thema was veröffentlich worden sein  ::)

Sonic

So ist er, der DFB. Hast du was anderes erwartet?
There is nothing conceptually better than Rock'n Roll.

Freakster

Das der eine solche Kampagne starten würde?? NEIN!!! Das hätte ich nicht einmal den Erfindern von der BILD zugetraut...

Sonic

In den letzten Wochen merkt man doch, dass jegliche Kritik am DFB und den handelnden Personen unerwünscht ist. ;)
There is nothing conceptually better than Rock'n Roll.

Ecke

Ob MV vorher oder Zwanziger jetzt... die Altherrenriege stinkt zum Himmel.
"Wir tragen ja nicht die Meisterschaft im Kartenspielen aus, die man in die nächste Gaststätte verlegen kann."

Doch - nichts anderes macht ihr, Herr Pommer!

patte

#293
Auf alle Fälle eine krasse Geschichte. Das ist ja Rufmord pur und wie der betroffene Journalist Jens Weinreich bereits erfahren muss, versucht der DFB bzw. Zwanziger mit Hilfe ihrer Kontakte / Lobby die berufliche Existenzgrundlage (auf gut Deutsch gesagt: das Leben) des Herrn Weinreich völlig zu zerstören. Derart böswillige Machenschaften einflußreicher Personen sollte man dringenst öffentlich machen und ächten. Wer weiß schon, wer der nächste Journalist ist, der nach absolut legitimen Äußerungen gegenüber irgendwelchen Sportfunktionären, Politikern, Wirtschaftsbossen, etc. und trotz unterstützender Gerichtsurteile auf diese Art und Weise in seiner Existenz bedroht wird.

Allein mir fehlt der Glaube, dass sich die großen deutschen Medien an diese Geschichte kritisch herantrauen. Da sieht man wieder mal die extremen Auswirkungen des übersteigerten Lobbyismus zwischen DFB, Bild und Co.
SO MANY IDIOTS - SO FEW BULLETS!

Iak

Gestern abend kam dazu schon ein Beitrag im Deutschlandfunk. Ich denke die Geschichte wird es auch auf die Medienseite der Zeit, der FAZ, der Süddeutschen oder einer ähnlich bekannten Zeitung schaffen. ARD und ZDF könnten sie auch in ihren Report-Reihen, bei Frontal 21 oder im Medianmagazin Zapp aufgreifen. Das Problem dabei ist nur, dass die breite Masse davon nichts mitbekommt, da die Massenmedien um BILD und RTL News dieses Thema garantiert nicht aufgreifen, da es nicht boulevardesk ist und man den einfachen Zuschauer damit nicht anspricht, also keine Auflage/Quote generiert. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Empfänger der DFB Mail ihren Inhalt kritisch hinterfragen und sich eine eigene Meinung bilden. Ob die ganzen Politiker dafür aber Zeit haben??? Es wäre zumindest wünschenswert.
"Wahrheit spricht für sich allein - aber Lüge spricht durch Presse und Rundfunk."  Victor Klemperer (1881-1960)

Freakster

Ich gehe eher davon aus, dass BILD, kicker, RTL, etc nicht über die Sache berichten, da das doch ein einziger Klüngelverein ist  ::) Und über seinen Klüngelbruder darf man ja schließlich nicht schlecht berichten, sonst könnte der ja vielleicht sauer werden...

HobbesTheOne 99

Ist schon bedenklich was dort passiert. Müsste man am Mittwoch doch glatt beim Länderspiel ein Banner mit seinem Namen hochhalten - womöglich flieg ich dafür dann aber hochkant aus dem Stadion  ::)
"Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen."
Walter Scheel

RF81

Zitat von: HobbesTheOne am Montag, 17 November 2008, 19:10:56
Ist schon bedenklich was dort passiert. Müsste man am Mittwoch doch glatt beim Länderspiel ein Banner mit seinem Namen hochhalten - womöglich flieg ich dafür dann aber hochkant aus dem Stadion  ::)

...wenn du denn überhaupt damit reingelassen wirst. Bei den ganzen "Repressalien" die zur Zeit im Fußball ablaufen.

HobbesTheOne 99

Zitat von: RF81 am Montag, 17 November 2008, 19:49:04
Zitat von: HobbesTheOne am Montag, 17 November 2008, 19:10:56
Ist schon bedenklich was dort passiert. Müsste man am Mittwoch doch glatt beim Länderspiel ein Banner mit seinem Namen hochhalten - womöglich flieg ich dafür dann aber hochkant aus dem Stadion  ::)

...wenn du denn überhaupt damit reingelassen wirst. Bei den ganzen "Repressalien" die zur Zeit im Fußball ablaufen.

Och nöööö, hab gestern erst die Reportage zum Olympiastadion Berlin bei RTL gesehen - und ich will weder die Zelle in natura sehen noch an das Stahltor gepresst werden  :-\
"Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen."
Walter Scheel

Iak

Warum solltest du nicht ins Stadion gelassen werden, wenn du ein Plakat mit der Aufschrift "Jens Weinrich" mitbringst? Kein Ordner des Stadions wird verstehen, was du damit überhaupt sagen willst  ::)
"Wahrheit spricht für sich allein - aber Lüge spricht durch Presse und Rundfunk."  Victor Klemperer (1881-1960)