Hab da irgendwie ein komisches Gefühl im Bauch. Warum gleich ein 12-Jahres-Vertag? Finde ich schon eine ziemlich lange Zeit. Kann aber natürlich auch sein, dass so ein Vertrag nur bei einer solchen Länge Sinn macht. Kann ich nicht einschätzen, kommt mir aber halt merkwürdig vor.
Hinzu kommt, dass die bisherigen "Kunden" aus dem Fußballgeschäft (Paderborn, Offenbach, Babelsberg) jetzt nicht so wirklich die Hausnummern im Fußball sind oder mir irgendwie besonders aufgrund ihres Marketings aufgefallen wären.
So unüblich ist es gar nicht, dass Dritt- und Viertligisten mit externen Marketingagenturen zusammen arbeiten. Beispielsweise hat der Sportrechteverwerter IMG (nochmal eine ganz andere Kategorie als die Sportsman Media Group) neben dem Aushängeschild 1. FC Köln auch den FSV Frankfurt und Rot Weiß Erfurt im Portfolio. In Erfurt sitzen insgesamt sogar vier festangestellte IMG-Leute, also nochmal einer mehr als künftig beim CFC, und der Hauptverantwortliche hielt zufällig gestern bei uns einen Gastvortrag. Demnach hat Erfurt momentan nur einen Etat von rund drei Millionen Euro, also eine gute Ecke weniger als der CFC, und der einzige Grund, warum IMG dort und beim FSV Frankfurt eingestiegen ist, liegt darin, dass jeweils neue Stadien bzw. neue Tribünen gebaut werden. Sonst wäre man an einer Partnerschaft gar nicht interessiert gewesen. Ähnlich wird es jetzt beim CFC aussehen. Ein Unternehmen wie die Sportsman Media Group wird nur deshalb einsteigen, weil der Club ein neues attraktives Stadion bekommt, in dem man VIP-Lounges, Business-Seats, Roto- bzw. LED-Banden, etc. für gutes Geld verkaufen kann.
Was die "Entlohnung" solch eines Sportrechtevermarkters angeht, gibt es unterschiedliche Modelle. Beispielsweise eine bestimmte Provision (normalerweise zwischen 10 und 20 Prozent) für jeden akquirierten Euro. Oder es ist ein jährlicher Festbetrag vereinbart, den der Vermarkter immer an den Verein bezahlen muss und alles was er mehr akquiriert, fließt in seine Tasche. Wenn es weniger ist, macht er sogar Verlust. Oder er kauft bloß bestimmte Rechte zu einem Festpreis ab und was er damit anstellt, ist sein Ding - bzw. was der Verein mit den anderen Rechten (sprich Werbeflächen) macht. Auch Bürgschaften können Teil solcher Vereinbarungen sein. Jedenfalls ist klar, dass solch eine Sportmarketingagentur mit den Rechten auf lange Sicht mindestens erst einmal das Geld reinverdienen will, was die jeweiligen Angestellten kosten (bei Erfurt also vier, beim Club drei). Da ist man ganz schnell bei einer (kleinen) sechsstelligen Summe pro Jahr und dann soll ja auch noch Gewinn abfallen. Weil das in Erfurt, Chemnitz und vermutlich auch beim FSV Frankfurt aber nicht gleich in der (bzw. den) ersten Saison(s) der Fall sein wird, sind die Verträge heutzutage relativ langfristig.
Und einen weiteren Grund für die lange Laufzeit hat der Ref bereits angesprochen, nämlich, dass viele Vereine das Marketing irgendwann wieder selbst übernehmen, um mit dem neugewonnenen Know-How noch mehr Geld für sich selbst abzuschöpfen. So wurden in den vergangenen Jahren gleich mehrere Sportrechteverwerter bei Bundesligisten wieder rausgekickt, nachdem man sich genug "abgeschaut" hatte. Beim VfL Wolfsburg schickte man eigene Mitarbeiter quasi sogar direkt in die externe Marketingagentur und baute im Anschluss mit denen eine vereinsinternen Abteilung auf. Daraus haben natürlich auch die Sportrechteverwerter/vermarkter gelernt, schließen vornehmlich sehr langfristige Verträge und da sie bei Erstligisten kaum noch reinkommen, wird eben das Feld der Zweit- und Drittligisten abgegrast.
Im Idealfall sind solche Partnerschaften ein Win-Win-Geschäft, oft bleibt aber auch eine Seite auf der Strecke. Wie sich das Ganze beim CFC entwickelt, kann und mag ich nicht beurteilen, hoffe aber, dass es den Club langfristig weiterbringt.