Hier ein kleiner Überblick über die "aufsehenerregendsten" Aussagen der letzten Jahre:
http://www.stern.de/politik/chronologie-seit-jahren-sarrazin-schlagzeilen-1598625.html Das Problem an den meisten Aussagen, sind die Halbwahrheiten, die sich dort wiederfinden. Die führen in der Regel dazu dass aufkommende Reaktionen selten förderlich und hilfreich sind. Zum einen gibt es jetzt in Internetforen und an Stammtischen viel "blinden" Applaus für die Äußerungen und sorgen für neue Spannungen und eher mehr Distanz, andererseit sorgen die Äußerungen bei vielen für Entrüstung und führen dazu, dass ernsthaftes Auseinandersetzen mit diesem Themen schwieriger wird, da man sich gesellschaftlich und politisch von den "Rassenvergleichen" distanzieren muss.
Auch die Nazis in den 20er und 30er Jahren haben mit der Verbreitung vieler Halbwahrheiten Stimmungen erzeugt und damit ihren Rassenwahn verbreitet. Beispielsweise war die Behauptung, dass der Anteil von Kaufleuten, Händlern, Rechtsanwälten oder Ärzten unter Juden höher ist als der unter den "deutschen Volksgenossen", durchaus sachlich richtig, ist oftmals auch heute noch so. Das hat allerdings mehr mit Traditionen als mit Genetik zu tun. Eine "kleine" Verwechslung der Nazis und auch des Herrn Sarrazin, genauso wie seine Verwechselung der Begriffe Intelligenz und Bildung.
Gleichzeitig wurde dieser "Fakt" für eine scheinbar logische Schlussfolgerung genutzt. Heißt: Weil die Juden alle so reich und wohlhabend sind, geht es Euch so schlecht, die haben also Euer Geld, die beuten Euch aus, die sind Schuld an Eurer Armut. Klingt ersteinmal schlüssig. Wer das so hören will, der denkt nicht weiter drüber nach. Im Grunde war (und ist) der durchschnittliche jüdische Arzt nicht ärmer oder reicher als der durchschnittliche deutsche Arzt bzw. hat der jüdische Kaufmann nicht mehr oder weniger zur Weltwirtschaftkrise 1929 bzw. zur aktuellen Finanzmarktkrise beigetragen als sein nicht-jüdischer Kollege.
Und solche Halbwahrheiten finden sich zuhauf in den zahlreichen Äußerungen Sarrazin. Interessanterweise hat er sich wenig später recht häufig für seine derben, oft abwertenden und beleidigenden Aussagen entschuldigt bzw. sein Bedeuern geäußert. Die angeblichen Fakten blieben aber immer stehen.
Mal ganz davon abgesehen dass der Typ nichts von Genetik, Medizin und Vererbungslehre versteht, halten die wenigsten Thesen Sarrazins dem Faktencheck stand. Allein seine Hochrechnung der Bevölkerungsentwicklung über das Jahr 2100 hinaus, hat absolut keinen wissenschaftlichen Hintergrund, sondern wird von jedem Demographen als unseriös und unmöglich darstellbar bewertet. Weiterhin behauptet Sarrazin dass die Migranten aus dem nahen und mittleren Osten sowie der Türkei einen schlechteren Bildungsgrad besitzen. Für den türkischstämmigen Einwanderer mag das stimmen, für Einwanderer aus den meisten anderen muslimischen Staaten ist das Gegenteil der Fall. Von den Einwanderern aus dem Irak und dem Iran haben fast doppelt so viele wie der Bevölkerungsdurchschnitt einen Hochschulabschluss. Genauso täuscht er sich, wenn er behauptet dass die Geburtenraten der muslimischen Bevölkerung grundsätzlich höher ist. Häufig brechen die Geburtenraten schon in der 2. Zuwandergeneration heftig ein. Auch ein Beleg für einen Integrationsprozess. Hier verfälschen sicher die häufig plakativ dargestellten Extremfälle das allgemeine Bild. Seiner Behauptung dass bis zu 80% der Intelligenz der Vererbung unterliegt, lässt er den Wunsch nach mehr schulischer Förderung der ärmeren, kinderreicheren Unterschichten folgen. Glaubt er jetzt an die selbstgenannte Prozentangabe?

Bei 80% "Fremdbestimmung" noch fördern und investieren? Wenn er das wirklich ernst meint, dann würde ich ihm seinen Sachverstand als Finanzvorstand bei der Bundesbank auch absprechen. Welcher Banker schießt denn bei einem zu 80% notleidenden Kredit oder Investment noch Geld nach?
Erst kürzlich habe ich eine Artikel gelesen, wonach die Türkei mit 2 Kindern pro Familie Probleme hat die Bevölkerung stabil zu halten. Im übrigen wie die meisten Staaten, aus denen Zuwanderer kommen.
Die umfassendste Auseinandersetzung mit den angsprochenen Themen und den dazugehörigen Faktencheck (die paar Sachen hatte ich noch im Gedächtnis...) habe ich im STERN gelesen. Leider finde ich den Artikel nicht mehr im Netz.
Alles in allem steht für mich ein Fakt über allen. Die Mißstände der Einwanderungs- ,Integrations und Bildungspolitik liegen nicht an irgendwelchen Nationalitäten, Rassen, Religionen und Lebenstraditionen, sondern in erster Linie am Sozialstaat und den Gesetzen in Deutschland. So lange wie kein Anreiz auf eine Erwerbstätigkeit und Berufsausbildung sowie allgemeine Bildung geschaffen wird, verändern sich die Verhältnisse nicht. Dort muss man ansetzen und nicht über irgendwelche Ideologien, Rassen- sowie Glaubensunterschiede "philosophieren.
Ich weiß nicht, ob es Sarazin wirklich nötig hat, ein Buch zu verkaufen.
Jeder der ein Buch schreibt, will dass es sich verkauft (außer vielleicht der Buchführer einer Firma

). Er wird nicht aus Geldnot diesen Anspruch empfinden, sondern eher aus Geltungs- und Aufmerksamkeitsverlangen. Ein Sprung in die Bestsellerliste wertet jedes Buch, jeden Autoren auf und verstärkt (scheinbar) die inhaltlichen Argumente.